Sourcing-Konzepte: Was versteht man unter den verschiedenen Beschaffungsstrategien?

Woher bekommen wir die optimalen Rohstoffe und Bauteile, die wir für unseren Betrieb benötigen?

Mit dieser zentralen Frage beschäftigen sich die verschiedenen Beschaffungsstrategien, aus denen nahezu jedes Unternehmen eine individuell passende Variante auswählen muss. So unterschiedlich die Möglichkeiten sind, so ähnlich klingen die Bezeichnungen: Single Sourcing, Unit Sourcing, Global Sourcing – um nur einige der Sourcing-Konzepte zu nennen.

In diesem Erklärtext erläutere ich dir die wichtigsten Sourcing-Konzepte und ihre Einteilung anhand von drei Kriterien. Dabei lernst du insbesondere die Vor- und Nachteile der verschiedenen Varianten kennen.

Kategorisierung der Beschaffungsstrategien

Die Sourcing-Konzepte lassen sich in drei Kategorien mit jeweils drei Ausprägungen einteilen. Zu den Kriterien und Varianten gehören:

  • Anzahl der Lieferanten:
    Single Sourcing, Dual Sourcing, Multiple Sourcing
  • Ort der Beschaffung:
    Local Sourcing, National Sourcing, Global Sourcing
  • Art der beschafften Güter:
    Unit Sourcing, Modular Sourcing, System Sourcing

Was darunter konkret zu verstehen ist, wollen wir uns jetzt anschauen.

Beschaffungsstrategien nach der Anzahl der Lieferanten

Die erste Möglichkeit, die Sourcing-Konzepte zu kategorisieren, bietet die Anzahl der in Anspruch genommenen Lieferanten. Dabei wird unterschieden, ob ein Unternehmen alle Güter bei einem Anbieter einkauft oder für die Beschaffung auf mehrere Lieferanten zurückgreift. Daraus ergeben sich folgende Varianten:

Single Sourcing: Ein Lieferant für alle Teile

Wenn sich ein Unternehmen für das Single Sourcing entscheidet, stammen alle Bauteile, Rohstoffe etc. von einem einzigen Lieferanten. Dies bietet die Chance auf eine langfristige, stabile Geschäftsbeziehung, die unkomplizierte und folglich kostengünstige Bestellprozesse möglich macht. Darüber hinaus bringt der Fokus auf einen Lieferanten eine relativ hohe Bestellmenge mit sich, sodass der Einkauf gezielt um Mengenrabatte verhandeln kann.

Allerdings bleibt das Single Sourcing nicht ohne Nachteile. Sobald eine Lieferung ausfällt oder der Geschäftspartner in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerät, hat das Unternehmen keine alternativen Beschaffungswege zur Hand. Im schlimmsten Fall kann diese Situation zu Produktionsausfällen aufgrund fehlender Bauteile oder Rohstoffe führen.

Hinzu kommt, dass der Lieferant möglicherweise nicht die niedrigsten Preise auf dem Markt bietet und unnötig viel Geld im Einkauf ausgegeben wird. Ist der Fokus auf die bestehende Beschaffungsstrategie zu groß, werden finanziell bessere Angebote verpasst.

Single Sourcing: Alle Waren kommen von nur einem Lieferanten.

Single Sourcing: Die Waren werden von nur einem einzigen Lieferanten bezogen.

Dual Sourcing: Zwei Lieferanten für mehr Sicherheit

Um die Abhängigkeit vom einzigen Lieferanten zu verringern, besteht die Möglichkeit, auf das Dual Sourcing zu setzen. Dabei wird die Beschaffung der benötigten Güter und Bauteile auf zwei Lieferanten verteilt. Der zentrale Vorteil: Falls ein Lieferant ausfällt und nicht wie vereinbart liefert, kann das Unternehmen die fehlenden Mengen beim zweiten Geschäftspartner beschaffen.

Darüber hinaus wird durch die Verteilung der Beschaffungsmengen eine leichte Konkurrenz zwischen den Lieferanten erzeugt. So schafft sich das Unternehmen eine bessere Verhandlungsbasis, um die Einkaufspreise zu drücken.

Multiple Sourcing: Geschickte Verteilung der Bestellungen

Wenn ein Unternehmen die Vorteile des Dual Sourcing weiter verstärken möchte, sollte es auf das Multiple Sourcing setzen. Darunter ist die Beschaffung der Rohstoffe und Güter von mehreren Lieferanten zu verstehen.

Durch die intensive Streuung der Bestellungen wird eine deutlich größere Liefersicherheit erreicht. Sogar beim Ausfall mehrerer Lieferanten stehen ausreichend Alternativen zur Verfügung, um Materialengpässe und damit Produktionsprobleme zu vermeiden. Außerdem kann das Unternehmen seine Bestellungen stets beim Lieferanten mit den günstigsten Preisen aufgeben. So werden die Einkaufskosten gesenkt.

Zu den Nachteilen beim Multiple Sourcing gehört unter anderem, dass mehr Aufwand für die Koordination aller Geschäftsbeziehungen anfällt. Die Mitarbeiter müssen Kontakt zu mehreren Lieferanten halten und regelmäßig die Preise vergleichen. Auch die Anzahl der eintreffenden Lieferungen erhöht sich, was wiederum zu mehr Aufwand in der Warenannahme, Einlagerung etc. führt.

Aus Sicht des Einkaufs wird es zudem schwieriger, (Mengen-)Rabatte mit den Lieferanten auszuhandeln, wenn das Unternehmen nur kleine Stückzahlen in unregelmäßigen Abständen bestellt.

Beim Multiple Sourcing werden die Waren bei verschiedenen Lieferanten bezogen.

Beim Multiple Sourcing werden die Waren von mehreren Lieferanten beschafft.

Sourcing-Strategien nach dem Ort der Beschaffung

Neben der Anzahl der Lieferanten lassen sich die Sourcing-Ansätze nach dem Ort der Beschaffung unterscheiden. Dabei geht es insbesondere um die Frage, wie weit die Zulieferer vom Unternehmen entfernt sind.

Local Sourcing: Lieferanten in unmittelbarer Nähe

Setzt ein Unternehmen auf Lieferanten aus der näheren Umgebung, wird die Beschaffungsstrategie als Local Sourcing bezeichnet. Dabei profitieren die Betriebe insbesondere von kurzen Transportwegen, die einerseits mit niedrigen Lieferkosten einhergehen und andererseits mit vergleichsweise geringem Risiko für Transportprobleme (Ausfälle, Verzögerungen etc.) verbunden sind. Darüber hinaus kann die Nähe der Lieferanten in einigen Branchen als gutes Verkaufsargument genutzt werden, beispielsweise bei regionalen Bio-Lebensmitteln.

Problematisch ist das Local Sourcing hingegen mit Blick auf die geringe Auswahl an Lieferanten und deren Angebot. Je nach Branche und Bedarf sind die benötigten Güter möglicherweise gar nicht, nur in schlechter Qualität oder zu sehr hohen Preisen verfügbar. Dann ist der Einkauf gefragt, die Vor- und Nachteile in der lokalen Beschaffung gegeneinander abzuwägen.

National Sourcing: Lieferanten aus dem eigenen Land

Erhöht ein Unternehmen den Beschaffungsradius bis zu den Landesgrenzen, spricht man vom National Sourcing. Auf diese Weise profitiert der Betrieb von einer größeren Auswahl an Lieferanten und verfügbaren Gütern, ohne die Risiken einer globalen Beschaffung in Kauf zu nehmen (siehe unten). Auch im Hinblick auf zahlreiche Regelungen und Standards (z. B. Umweltschutz und Arbeiterrechte) bietet der nationale Einkauf Planungssicherheit.

Global Sourcing: Weltweite Angebote ausnutzen

Der nächste Schritt, um den Beschaffungsradius zu erhöhen, ist das Global Sourcing. Dabei nutzt das Unternehmen die gesamte Weltwirtschaft, um passende Lieferanten und Waren zu finden. Zusätzlich zu den nationalen Anbietern kann die Ware auch aus den USA, Asien oder anderen Märkten beschafft werden.

Der zentrale Vorteil liegt auf der Hand: Das Produktangebot ist im Vergleich zum National Sourcing oder Local Sourcing deutlich größer. Das betrifft sowohl die zuliefernden Unternehmen als auch die Güter, deren Qualität und deren Preis. Das Unternehmen kann sich ein passendes Angebot suchen und profitiert in den Preisverhandlungen von der großen Konkurrenz unter den Zulieferern.

Nichtsdestotrotz bringt die globale Beschaffung einige Nachteile mit sich. Grundsätzlich ist die Koordination zwischen den Lieferanten und dem Warenempfänger deutlich schwieriger. Es müssen sprachliche, kulturelle und formelle Hürden in Kauf genommen werden.

Darüber hinaus ist der Einkauf aus Ländern mit anderen Währungen stets mit finanziellen Risiken verbunden, die sich aus Wechselkursschwankungen ergeben. Auch der Transport ist deutlich teurer und aufgrund der großen Entfernung verstärkt mit Risiken bezüglich Lieferzeitpunkt und Lieferzuverlässigkeit verbunden.

Das Global Sourcing ähnelt dem Multiple Sourcing, allerdings werden die Waren von internationalen Lieferanten bezogen.

Das Global Sourcing nutzt die gesamte Weltwirtschaft und nimmt internationale Zulieferer in Anspruch.

Beschaffung unterschiedlicher Arten von Gütern

Zu guter Letzt möchte ich dir die Einteilung der Sourcing-Konzepte auf Basis der beschafften Güter erläutern. Dabei wird zwischen Unit Sourcing, Modular Sourcing und System Sourcing unterschieden.

Unit Sourcing: Einzelteile für eigene Fertigung

Wenn ein Unternehmen ausschließlich Einzelteile und Rohstoffe einkauft, wird die Beschaffungsstrategie als Unit Sourcing bezeichnet. Dieser Ansatz ermöglicht es dem Unternehmen, exakt die Güter in der gewünschten Qualität, Menge und Ausprägung zu beschaffen, die es für die Weiterverarbeitung braucht. Dadurch wird die Basis für eine individuell ausgestaltete Fertigung gelegt, die allerdings mit vergleichsweise hohem Aufwand verbunden ist.

Da nur Basisgüter und keine komplexen Bauteile beschafft werden, entsteht kaum Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten, die sich bei anderen Beschaffungsstrategien (siehe unten) nicht gänzlich vermeiden lässt.

Modular Sourcing: Wichtige Vorarbeit der Lieferanten

Das Modular Sourcing verfolgt einen etwas anderen Ansatz: Statt Einzelteilen werden Module bzw. Bauteile beschafft, die anschließend in das eigene Produkt integriert werden. Diesen Ansatz kennst du beispielsweise aus der Automobilbranche.

Durch das Modular Sourcing wird ein Teil der Fertigung an die Zulieferer übertragen, damit sich das eigene Unternehmen auf die weitere Verarbeitung der Elemente konzentrieren kann. So konzentriert sich der Betrieb stärker auf die eigenen Kompetenzen und profitiert zusätzlich von der Expertise der Zulieferer. Darüber hinaus sinken die Fertigungskosten.

Allerdings lässt sich bei dieser Beschaffungsstrategie nicht vermeiden, dass eine gewisse Abhängigkeit vom Lieferanten entsteht. Da das Know-how für die Fertigung der jeweiligen Module ausgelagert wird, muss man sich auf die Fähigkeiten und die Zuverlässigkeit des Geschäftspartners verlassen. Auch die weiteren Vorteile des Unit Sourcing (große Auswahl, individuelle Qualität etc.) werden eingeschränkt.

Beim Modular Sourcing bringen die Lieferanten fertige Module, die in das Endprodukt eingebaut werden.

Beim Modular Sourcing werden keine Rohstoffe beschafft, sondern vorfertigte Bauteile bzw. Module.

System Sourcing: Noch ein Schritt weiter

Setzt ein Unternehmen auf das System Sourcing, dann führt es den Ansatz des Modular Sourcing noch einen Schritt weiter. Dabei steigt die Komplexität der beschafften Bauteile, sodass noch mehr Vorarbeit von den Lieferanten geleistet wird und die Fertigungstiefe des beschaffenden Betriebs weiter sinkt.

Dabei werden auch die bereits beim Modular Sourcing geschilderten Vor- und Nachteile verstärkt.

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Torben Naujokat, Gründer von Modulearn

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